Katharina Ohana oder „Lesestoff für Nachkriegsenkel“

Ich, Rabentochter

“Kindheit war schon immer ein gefährlicher Ort, selten verlässt ihn jemand unbeschadet.” Wenn Katharina Ohana als Kind von der Schule heimkam, “roch es manchmal nach Essen, manchmal nach Ärger und manchmal nach Depression, denn die Familie wurde von einem schrecklichen Drachen beherrscht, der meistens in einer Höhle schlief und von Zeit zu Zeit anfing, sein Unwesen zu treiben.”

Mit großer Sprachkraft und eindrucksvollen Bildern beschreibt Katharina Ohana die Befreiung von den Traumata ihrer Familie und ihre Verarbeitung. Ihr beeindruckendes Fazit lautet: “Es geht nicht um die Frage der Schuld, sondern vielmehr um tiefes Verstehen und die Verantwortung für das eigene Leben.”
Ihre persönliche Geschichte steht stellvertretend für die Probleme einer ganzen Generation: der Generation der Kriegsenkel. Unbewusst tragen sie die Last der vererbten unverarbeiteten Traumata des Krieges. Erst durch das tiefe Verstehen der über Generationen vererbten Ängste und psychischen Misshandlungen gelingt Katharina die heilsame Wende und eine unvergleichliche Karriere.

 

„Gestatten: Ich“

 

„Die Hölle, das sind die anderen“, schreibt Jean Paul Sartre und man könnte hinzufügen …weil sie uns unseren Wert nicht so bestätigen, unsere Bedürfnisse nicht so befriedigen, wie wir es uns wünschen.

Unser Selbstwertgefühl ist der Spiegel erfahrener Liebe und Zuwendung. Und es ist der Schlüssel zu unserer geistigen und körperlichen Gesundheit, unserem Glück. Unser Bewusstsein täuscht uns Freiheit und Selbstbestimmung vor, dabei strebt unser Unterbewusstsein immer nur nach Zuwendung und Bestätigung. Denn unsere Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung ist die Grundlage unseres Menschseins.

Das Buch zeigt, wie wir die in der Kindheit gelernten Muster und Regeln durchschauen und die Wunden in unserem Wertgefühl erkennen können, um die eigentlichen Ursachen für unsere Probleme zu verstehen. Dabei werden unsere Liebesbeziehungen zum Katalysator unserer Persönlichkeitsentwicklung. Denn Liebe ist etwas gelerntes. Jeder, der in seiner Kindheit nicht genug Wertschätzung und gesunde Liebe erfahren hat, dessen Leben ist bestimmt von der Suche danach. Sie wird zur Priorität, zur treibenden Kraft und sie behindert unsere Entfaltung. Jeden Tag unseres Lebens tragen wir die Gefühlschablone aus unserer Kinderzeit wie eine Brille, durch die wir die Welt und uns selbst darin sehen. Das ängstliche, zurückgewiesene Kind in uns hofft auf eine Wiedergutmachung seiner schlechten Erfahrungen: Unser Leben, unsere Beziehungen, Ziele und Träume sind davon geprägt. Probleme sind Aufgaben, die uns das Leben stellt. Und das Leben stellt uns immer wieder vor die gleichen Aufgaben, konfrontiert uns mit den unverarbeiteten Emotionen der Vergangenheit und fordert von uns ihre Bewältigung. Versuchen wir die Schmerzen zu umgehen, treten wir auf der Stelle und geraten immer wieder in die gleiche Situation. Wir müssen hinter die Kulissen schauen, uns auf die „Metaebene der psychoanalytischen Wahrheit“ begeben, auf die Ebene der Emotionen und ihrer Verarbeitung im Gehirn, auf die Ebene der geheimen Ängste, der ungeschriebenen Verbote und der uns umgebenden Werte in der Familie und Gesellschaft, um zu verstehen, warum Menschen handeln, wie sie handeln. Wir müssen wirklich verstehen wollen und nicht nur nach einfachen Antworten suchen.

Textquelle und mehr über die Autorin Katharina Ohana hier.

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Dieser Beitrag wurde am 26. November 2012 um 4:13 pm veröffentlicht. Er wurde unter Schlonz abgelegt und ist mit , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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